Meshtastic und MeshCore im ProtoLab – vom Impulsvortrag zum ersten eigenen Mesh
Wie funktionieren dezentrale Funknetze, wenn Mobilfunk und Internet keine Rolle spielen? Und was lässt sich mit günstiger Open-Source-Hardware, LoRa und ein wenig Experimentierfreude tatsächlich erreichen? Genau darum ging es bei meinem Impulsvortrag und der Live-Demo „Meshtastic & MeshCore – offene Funknetze für Maker“ im ProtoLab des GarageLab Düsseldorf. Veranstaltung Meshtastic & MeshCore – offene Funknetze für Maker Termin: Dienstag, 4. August 2026, 19:00–20:30 Uhr Ort: ProtoLab, GarageLab Düsseldorf Vortrag & Live-Demo: Ralf Neuhäuser , Gründungsmitglied des GarageLab Format: ca. 90 Minuten Einführung, Vortrag und praktische Demonstration Organisation: ProtoLab / GarageLab Veranstaltungsankündigung: GarageLab-Forum (Mitgliederbereich) Inhalt der ursprünglichen Ankündigung: Ein leicht verständlicher Einstieg in LoRa, Meshtastic und MeshCore, typische Hardware und Einsatzmöglichkeiten sowie Chancen und Grenzen dezentraler Kommunikation. Im Mittelpunkt standen Maker-Projekte, Open-Source-Technik, Sensorik, Outdoor-Anwendungen und die Frage, wie unabhängige Funknetze zur technischen Resilienz beitragen können. Die Veranstaltung war im internen Forum auf Interesse gestoßen: Der Ankündigungsbeitrag erreichte dort 184 Aufrufe und sechs „Gefällt mir“-Reaktionen. Von sechs angemeldeten Teilnehmern waren fünf vor Ort – eine kleine, aber interessierte Runde. Meshtastic/MeshCore Impulsvortrag im ProtoLab 4. August 2026, Foto: Ralf Neuhäuser Mein Vortrag war zugegeben etwas chaotischer als geplant. Die Präsentation war recht umfangreich geworden und enthielt einige Wiederholungen. Außerdem experimentiere ich selbst erst seit einigen Wochen intensiver mit Meshtastic und MeshCore und konnte deshalb nicht jede technische Frage abschließend beantworten. Sehr hilfreich waren dabei die Informationen meines Cousins Edgar, der seit rund 50 Jahren als Amateurfunker aktiv ist. Seine Erfahrungen mit Antennen, Reichweite, Relaisstandorten und Funkwellenausbreitung waren ausgesprochen wertvoll – für einen ersten Einsteigerabend stellenweise allerdings fast schon zu viel Fachwissen auf einmal. Trotzdem war das Feedback durchweg interessiert und positiv. In der Runde entstand schnell die Idee, es nicht bei einem einmaligen Vortrag zu belassen, sondern daraus möglicherweise ein kleines gemeinsames Projekt im GarageLab zu entwickeln. Die Idee: ein GarageLab-Mesh-Knoten Langfristig könnte am GarageLab ein stationärer Meshtastic- oder MeshCore-Knoten entstehen, der als Relay die lokale Abdeckung verbessert. Der Weg dorthin sollte bewusst schrittweise erfolgen: zunächst ein kleines und günstiges LoRa-Board beschaffen, es gemeinsam flashen und konfigurieren, erste Tests im ProtoLab und anschließend im Hof durchführen, Erfahrungen mit Reichweite, Antennen und Stromverbrauch sammeln, und erst später über eine dauerhafte Außeninstallation mit wetterfestem Gehäuse, Mast oder Solarversorgung nachdenken. Gerade dieses Vorgehen passt aus meiner Sicht hervorragend zur Philosophie eines Makerspaces. Das Projekt verbindet zahlreiche Bereiche: Funk- und Netzwerktechnik, Elektronik und Mikrocontroller, Open-Source-Hardware und -Software, Energieversorgung und Solartechnik, 3D-Druck und Gehäusebau, Antennen- und Messtechnik, gemeinsames Lernen und Experimentieren, Dokumentation und Wissensaustausch. Jeder kann sich mit seinen eigenen Interessen und Fähigkeiten einbringen – egal ob bei Elektronik, Software, Mechanik, Funktechnik oder einfach beim Testen. Mehr als nur ein Vereinsprojekt Ein solches Projekt hätte außerdem das Potenzial, weit über das GarageLab hinaus Wirkung zu entfalten. Gelingt es, einen dauerhaft betriebenen Relay-Knoten an einem geeigneten Standort aufzubauen, entsteht nicht nur ein spannendes Technikprojekt für den Verein, sondern gleichzeitig ein frei nutzbarer Baustein einer dezentralen Kommunikationsinfrastruktur. Davon könnten neben den Mitgliedern des GarageLab auch andere Meshtastic- und MeshCore-Nutzer in der Region profitieren. Gleichzeitig wäre ein solcher Knoten eine ideale Plattform für Reichweitentests, Workshops, Antennenexperimente sowie die Weiterentwicklung von Hard- und Software. Und nicht zuletzt kann eine solche Infrastruktur – ganz im Sinne des Open-Source-Gedankens – zur Resilienz beitragen. Falls klassische Kommunikationsinfrastruktur teilweise ausfällt oder überlastet ist, kann ein unabhängiges lokales Funknetz zusätzliche Kommunikationsmöglichkeiten bereitstellen. Natürlich ersetzt ein solches Community-Netz keine professionelle Notfallkommunikation. Aber als experimentelle, dezentrale und gemeinschaftlich betriebene Infrastruktur ist gerade dieser Aspekt besonders interessant. Der eigentliche Durchbruch kam nach dem Vortrag Der spannendste Teil des Abends begann für mich eigentlich erst nach dem offiziellen Ende. Tim, einer der Werkstattleiter des ProtoLab, hatte zwei geeignete LoRa-Boards mitgebracht. Statt noch lange über mögliche Hardware zu diskutieren, flashte er sie kurzerhand. Ich stellte daraufhin auch mein eigenes LILYGO-Board, das bis dahin mit Meshtastic lief, auf MeshCore um. Mit drei Geräten konnten wir sofort miteinander kommunizieren. Damit hatten wir innerhalb kurzer Zeit unser erstes kleines funktionierendes Mesh aufgebaut. Aus dem Vortrag wurde spontan ein Mini-Workshop, der schließlich zu zweit bis ungefähr 22:30 Uhr weiterging. Drei MeshCore-Nodes im ersten gemeinsamen Test, Foto: Ralf Neuhäuser Für mich war das nach meinen bisherigen Experimenten ein echtes Erfolgserlebnis. Zum ersten Mal ging es nicht mehr nur um Theorie: Innerhalb weniger Minuten hatten wir selbst ein funktionierendes kleines Mesh-Netz aufgebaut. Und am nächsten Tag ging es gleich weiter Am folgenden Tag führte ich weitere Feldversuche durch und tauschte mich erneut intensiv mit Edgar aus, der rund 120 Kilometer entfernt in Ostbevern lebt. Dabei gelang es erstmals, über das bereits vorhandene und inzwischen erstaunlich gut ausgebaute MeshCore-Netz erfolgreich Nachrichten über diese Entfernung auszutauschen. Erfolgreicher Nachrichtenaustausch über das MeshCore-Netz, Foto: Ralf Neuhäuser Routen- beziehungsweise Netzwerkinformationen des Tests, Foto: Ralf Neuhäuser Wichtig dabei: Nicht mein kleines LILYGO-Board allein hat 120 Kilometer weit gefunkt. Genau darin liegt der entscheidende Gedanke eines Mesh-Netzes: Die Nachricht wurde über mehrere miteinander verbundene Knoten weitergeleitet, bis sie ihr Ziel erreichte. Für mich war das ein echtes Aha-Erlebnis. Es zeigte sehr anschaulich, welches Potenzial ein bereits gewachsenes dezentrales Netz besitzen kann. Auch mit Tim konnte ich mich bereits am nächsten Tag wieder über unser kleines gemeinsames Mesh austauschen. Damit war aus einem Impulsvortrag innerhalb weniger Stunden ein erstes gemeinsames Praxisprojekt entstanden. Meshtastic oder MeshCore? Eine der interessanten Fragen für weitere Experimente ist, welches der beiden Systeme sich für welche Aufgaben besser eignet. Meshtastic ist inzwischen vergleichsweise bekannt und bietet einen einfachen Einstieg in textbasierte LoRa-Kommunikation mit Smartphone-Anbindung. MeshCore verfolgt teilweise andere technische Ansätze und hat sich bei meinen bisherigen Versuchen insbesondere durch das bereits vorhandene Netz als ausgesprochen interessant erwiesen. Für ein Maker-Projekt muss man sich deshalb aus meiner Sicht zunächst gar nicht endgültig für eines der beiden Systeme entscheiden. Interessanter ist es, geeignete Hardware auszuwählen, verschiedene Konzepte praktisch zu testen und aus den Ergebnissen zu lernen. Wie könnte es weitergehen? Als nächster realistischer Schritt bietet sich an, ein weiteres geeignetes LoRa-Board im Preisbereich von ungefähr 30 bis 40 Euro anzuschaffen. Infrage kommen beispielsweise Boards von Heltec, LILYGO oder Seeed Studio. Wichtig wäre vor allem eine Plattform, die sich flexibel einsetzen lässt, energiesparend arbeitet und möglichst sowohl für Meshtastic als auch für MeshCore geeignet ist. Idealerweise lässt sie sich später mit externer Antenne und entsprechender Stromversorgung zu einem stationären Relay ausbauen. Danach können wir messen statt spekulieren: Welche Reichweite erzielen wir innerhalb und außerhalb des Gebäudes? Welche Auswirkungen hat der Standort? Was verändert eine bessere Antenne? Wie hoch ist der reale Stromverbrauch? Welche Unterschiede zeigen Meshtastic und MeshCore? Und wo wäre ein sinnvoller Standort für einen späteren dauerhaften Knoten? Ein typisches Makerspace-Projekt Rückblickend war der Vortrag sicherlich nicht perfekt. Aber vielleicht war gerade das ziemlich passend. Meshtastic, MeshCore und LoRa-Netze lernt man nicht nur durch perfekte Folien. Wirklich verständlich wird die Technik beim gemeinsamen Ausprobieren, Flashen, Konfigurieren, Messen und Testen. Am Ende des Abends hatten wir: fünf interessierte Teilnehmer, viele neue Fragen, zwei frisch geflashte Boards, ein auf MeshCore umgestelltes LILYGO-Board, ein funktionierendes Drei-Knoten-Mesh und bereits am nächsten Tag einen erfolgreichen Nachrichtenaustausch über ein MeshCore-Netz auf einer Distanz von rund 120 Kilometern. Für mich ist genau das der eigentliche Erfolg der Veranstaltung. Nicht der Vortrag allein, sondern dass daraus unmittelbar gemeinsames Experimentieren entstanden ist – und vielleicht der Anfang eines längerfristigen GarageLab-Mesh-Projekts. Mitmachen Wer Interesse an einem kleinen GarageLab-Mesh-Projekt hat – sei es bei Hardware, Software, Gehäusebau, Antennen, Stromversorgung, Messungen oder einfach beim gemeinsamen Experimentieren –, ist herzlich eingeladen, mitzumachen. Dazu kannst Du da GarageLab beim monatlichen Open Fablab unverbindlich kennenlernen oder direkt Mitglied werden . Und wer bereits MeshCore verwendet und ausprobieren möchte, ob eine Verbindung über das Netz zustande kommt, kann mich dort unter folgenden Daten finden: Rufname: DUS-RN-F1 Öffentlicher Schlüssel: bf3fb687e1b42ca2e89e837dbe5c6797ad1f21d20788de6574fe7b6028c4ddc6 MeshCore-Profil : Node DUS-RN-F1, Foto: Ralf Neuhäuser [Update] Aus dem Versuch ist eine Projektgruppe geworden Seit dem Vortrag und dem spontanen Workshop hat sich eine kleine MeshCore-Projektgruppe im GarageLab gebildet. Wir treffen uns in der Regel dienstags von 18 bis 19 Uhr im ProtoLab, um Geräte gemeinsam zu testen, Erfahrungen auszutauschen und einen möglichen stationären Relay-Knoten für das Lab und seine Umgebung vorzubereiten. Interessierte Mitglieder können jederzeit dazukommen; Vorkenntnisse im Funkbereich sind nicht nötig. Den nächsten Termin findet ihr im Forumskalender des GarageLab (nur für Mitglieder zugänglich). Hinweis: Einige weiterführende Beiträge, Druckvorlagen und die ursprüngliche Veranstaltungsankündigung befinden sich im internen Forum des GarageLab und sind daher nur für Mitglieder zugänglich (Mitgliederbereich). Weiterführende Links: Meshtastic & MeshCore Wer selbst mit LoRa-Mesh-Kommunikation experimentieren möchte, findet hier die wichtigsten Einstiegspunkte: Meshtastic – offizielle Website: https://meshtastic.org/ Meshtastic – Dokumentation: https://meshtastic.org/docs/ Meshtastic – Web Flasher: https://flasher.meshtastic.org/ Meshtastic – GitHub: https://github.com/meshtastic MeshCore – Projektseite / Einstieg: https://meshcore.io/ MeshCore – GitHub / Quellcode: https://github.com/meshcore-dev MeshCore – Dokumentation / Setup: https://docs.meshcore.io/ Tipp für Einsteiger: Wer bereits ein kompatibles LoRa-Board besitzt, sollte zuerst prüfen, welche Firmware das konkrete Board unterstützt, bevor es neu geflasht wird. Viele Geräte lassen sich sowohl mit Meshtastic als auch – abhängig vom Modell – mit MeshCore betreiben.